Servus, wie geht's ?

Wenn zwei Engel (nach Kroatien) reisen, wird schönes Wetter ...

Kaum zu glauben, aber der geistig produzierte Abfall des ersten Reiseberichts konnte mit dem folgenden Text sogar
noch übertroffen werden ...

Denn dies ist die Geschichte von 2 Knilchen, die mit ihren Fahrrädern in 3 Wochen von Dresden über Brünn, Wien, den Balaton, Zagreb, die Plitwitzer Seen und die Küstenstraße von Sibenik bis Dubrovnik geradelt sind. Immerhin sind sie noch zurück bis Ljubliana gekommen. Von dort hat sie freundlicherweise ein Zug bis (fast) nach Hause mitgenommen - dafür ging übrigens der größte Teil der 160 € Reisekosten pro Person drauf, und deswegen sind es nur 2600 km geworden ...

Wer?



Man beachte den für hohe Bordsteinkanten optimierten Ständer. (rechts)

Wann?
Ab 28.07.2002, also im Hochsommer des Jahres 2002 - steht im Tourtagebuch folgendes:

Tag 1, So  Dresden - Melnik
Sandro zuliebe, steh ich früh 7:30 Uhr auf. Wir genießen noch einmal ein ordentliches Frühstück, wissend, dass das auf der folgenden Tour nicht immer so doll ausfallen wird. Der volle Bauch ist auf den ersten 20km eher hinderlich. Gleich am ersten Tag ist es schön sonnig. Sandro hat ein kleines Körbchen auf den Frontgepäckträger angebracht, so kann er z.B. seine Jacke unterwegs verstauen. Außerdem sind darin Kekse und Marzipan gut erreichbar, letzteres schmiltzt aufgrund der starken Sonneneinstrahlung langsam weg. Wir tun alles, damit unser Marzipanvorrat nicht der Sonne zum Opfer fällt. Mampfh, schleck ... Seit Usti radeln wir entlang der Elbe - ich würd gern reinspringen aber solange wir so gut rollen, wollen wir keine Pause machen. Ein ganzes Stück nach Litomerize (wo es hübsche Mädchen gibt) machen wir Mittagspause und baden. Mickrige 136 km schaffen wir an dem Tag  - sind nun mal noch nicht so richtig fit.

Die Landschaft ist bis Melnik hügelig.
Es gibt keine hohen Berge zu erradeln, aber flach kann man dazu auch nicht sagen - hügelig eben.
Entlang der 311 Richtung Stara Bolesav ein Fluss die Straße. Gleich neben dem Ufer beginnt Wald - hier bleiben wir.
Nach einem kühlen Bad im Fluss, will Sandro seine Hängematte testen und spannt sie dazu zwischen zwei stämmige Birken auf.
Ich hab auch keine Lust das Zelt aufzubauen, also Schlafsack raus und hoffen, dass es nicht regnet.

Gute Nacht !

Tagesstrecke = 139,7 km
Durchschnitt = 19,2 km/h
Fahrzeit = 7 h 15 min
Höchstgeschwindigkeit = 67,9 km/h

Gesamtstrecke = 139 km

Tag 2, Mo     Melnik - Hermonov
Start 8:30, nach einer beschissenen Nacht mit vielen Mücken und Ameisen. Ich frag mich heute noch wie eine Ameise
im Schlafsack bis zu meiner linken, kleinen Zehe gelangte !
Sandro behauptet, er hätte gut geschlafen - seltsamerweise aber auf der ganzen Tour nicht nochmal in der Hängematte ...
Es wird immer heißer. Wir nehmen uns vor, morgen zeitiger Aufzustehen.
Oft geht es Kilometerlang, unter senkender Sonne geradeaus. Damals war's auf der Pisa Tour, in der italienischen Po-Ebene genauso.
Die wenigen Streckenabschnitte mit schattenspendenden Bäumen waren dafür sehr schön.

In Kolin bat uns ein Skodafahrer um Hilfe. Anschieben. Mitten in der Stadt - nach 100 m geht mir die Puste aus - Sandro bringt die
Räder hinterher.

Viel Ahnung von Auto's haben wir nicht, nur Kleinigkeiten, die man sich selber angeeignet hat wie z.B: Zylinderwechseln nach Kolbenklemmer beim Trabbi, Moppedtuning und dergleichen. Der Fahrer ist übrigens Tischler - also ideale Voraussetzungen.
Sprit läuft, aber Zündkerzenstecker wackeln lose. An den Kerzen selber wurde schon heftig dran rumgebogen.
Bei einer bricht der Massekontakt sogar ab - zum Glück liegen noch 20 Gebrauchte im Fahrzeug...
Mit etwas Draht steckt der Zündkerzenstecker fest wie nie. Der Luftfilter ist auch i.o. - einem Startversuch steht eigentlich nichts mehr im Wege. Sandro: "Wenn der jetzt nicht anspringt wir's peinlich." Anlassen. Was für eine Freude, als der Motor wieder läuft. Die alten Skoda klingen sogar recht gut. Erleichtert klopfe ich auf das orange Blech.
Der Fahrer bedankt sich mehrfach - und besteht darauf, dass wir 100 Kc annehmen - bei unserer Sparsamkeit kommen wir damit glatt durch dieTschechei !
Aua Heiß - obwohl ich schon nur eine kurze Hose anhab, läuft das Wasser, sobald man anhält.
Gerade hab ich einen 500g Ananas Joghurt reingelöffelt - bei der Hitze gibt's nischt besseres.

Es wird schon dunkel. Jetzt aber fix noch mal in einem hübschen See bei Hermanov o. St Dvur baden.
Eine Übernachtungsmöglichkeit müssen wir ja auch noch suchen.

Tagesstrecke = 127,8 km
Durchschnitt = 19,1 km/h
Fahrzeit = 6 h 41 min
Höchstgeschwindigkeit = 56,1 km/h

Gesamtstrecke = 267 km

Tag 3, Di  Hermanov - Brünn
Wegen des vielen Wassers sind Mücken zu erwarten - also hatten wir am Abend das Zelt aufgestellt und very gut geschlafen.
Sandro hat gerade eben sein pfui daibel Müsli gekocht. Brech ! Wie kann man nur Müsli kochen ???
Zumal er es komplett weichkocht !!! Die ersten 40/50 kilometer liefen nicht so doll - erst nach einem 2. (süßen) Frühstück ging's voran.
Die Strecke war recht einfach - immer die "34" lang bis ZDAR. Von einem kleinem Teich erhoffte ich mir eine Abkühlung,
es war aber eher ein Drecktümpel, wo vermutlich die Bauern Gülle reinpumpen. Hilflos versank ich im Schlamm.
Ist schon ärgerlich, wenn man dann einen Hügel später an herrlichen Seen vorbeiradelt.

Gerade eben ging ein gewaltiger Schauer nieder - hoffentlich hat Sandro auch einen Unterstand gefunden.Wenig später erfuhr ich es. Mit seiner 6 Mark Baumarktplane über dem Kopf, hat er den Regen abgewartet. Aber erst als er schon klatschnass war, denn diese lag ganz unten in der Fahrradtasche ...

Sandro sitzt unter seiner Plane - ich nicht.

Seine Schuhe blieben trocken - meine nicht.
Nach Regen folgt Sonnenschein - wie im Leben, schon nach 3 Tagen waren die Schuhe wieder trocken.
An dieser Stelle muss mal gesagt werden, dass ein erstaunlicher Zusammenhang mit Sandro und dem Wetter existiert.
Regnen, sturm und kälte, oft auch alles auf einmal, sind mit Sandro normal. Extrem dichter Nebel ist dann schon schönes Wetter.
Wie blauäugig von mir, nur weil wir in den warmen Süden fahren, sicher vor Mistwetter zu sein ...
Wenn Engel reisen, wird schönes Wetter - demnach sind wir keine Engel !

Je näher wir Brünn kommen, desto schöner wird die Landschaft. Bei Velka Bites sind 95 km geschafft.
Der Tritt wird immer schwerer, ein paar Kekse gefuttert und weiter geht's. Bei Vereska Bytes geht's kurvenreich auf und ab, an einem schönen See entlang. An dessen Ende baden wir. Ein Knilch bettelt uns an. Er will 20€. Ich sage dass wir nichts haben und zeige auf unsere jämmerlichen Fahrräder. Schnell noch Sachen waschen und wir sehen zu, dass wir weiterkommen. Schon in Zebetin ist ein Dröhnen zu hören. Noch einmal eine Steigung im Wand hoch und wir haben Aussicht auf die Grand Prix Strecke in Brünn. Motorräder fliegen um den Kurs - welch Schauspiel. Es ist schon spät, dunkle Wolken ziehen heran und es beginnt zu regnen - machen wir los. Kaum umgedreht, krrrrrrhhhhh, rutscht eine R1 kratzend in's Kiesbett. Der Fahrer unverletzt, aber sichtlich verärgert. Wir stellen unser Zelt gleich im Wald neben die Rennstrecke auf, gerade rechtzeitig - es regnet kräftig.

Tagesstrecke = 140,6 km
Durchschnitt = 18,6 km/h
Fahrzeit = 7 h 32 min
Höchstgeschwindigkeit = 71,1 km/h

Gesamtstrecke = 408 km
Geld: 50 Kc für Nahrungsmittel (Kekse,  ...)

Tag 4, Mi  Brünn-Wien
Ich sollte den Verzehr von viel Zucker im Alltag überdenken.
Dieser setzt nämlich dermaßen Energie frei, dass wir nach 120 km schon fast in Wien sind.
Mein Eindruck war ernüchternd. Wie sieht's denn hier aus ???
Das ist nicht das Österreich, wie ich es etwa von den Alpentouren kenne (Salzburg/Großglocknerstraße)  - alles ziemlich flach,
die Häuser nicht so schön. Die Leute unfreundlich, die zudem noch alles verriegeln und verrammeln - nischt mit drin boofen.

Es nieselt langsam durch die Jacken durch. Ein Stück nach Poysdorf treffen wir auf 2 Tschechen, die mit defektem Scheibenwischer
an ihrem Auto am Straßenrand stehen. Das Gestänge zum Wischer auf der Fahrerseite ist gebrochen - wir basteln wieder mit Draht.
Nach mehreren erfolglosen Versuchen wird einfach der funktionierende Scheibenwischer so eingestellt, dass er über
die komplette Scheibe wischt - würde mich nicht wundern wenn das heute noch so ist ...

Mit 2 Bierchen im Getränkehalter mehr, radeln wir im Regen weiter - egal, denn die Sachen schon seit dem Nachmittag naß.
Besonders nasse Schuhe machen wenig Spaß, ich frag mich warum die Füße dabei immer solche Falten bekommen ...

Tagesstrecke = 136 km
Durchschnitt = 20,3 km/h
Fahrzeit   = 7 h
Höchstgeschwindigkeit = 57,3 km/h

Gesamtstrecke  = 136 km
Geld: 182 Kc für Nahrungsmittel, 2€ für Eis

Tag 5, Do   Wien - Pratislava
Mit Kohldampf beginnen wir 7 Uhr den Tag, rollern die restlichen 5km nach Wien und machen uns auf die Suche nach dem Stephansdom. Eine Kirche kurz nach der Reichsbrücke halten wir für diesen. (beim Mexikoplatz) Nach vielen Fotos erfahre ich, dass das nicht der Stephansdom ist - der ist dreimal so groß (und passt damit auf kein Bild).
Na und - ich fand die Kirche mit dem tollen Holzportal sehr schön.


Mein Märchenschloss ...

Hinter einem Pferdewagen fahrend "machen wir Kultur" ! Wir hören uns einfach die Informationen (kostenlos) mit an. Überhaupt gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Dresden. Ob schöne Bauwerke oder Flusslandschaft (mit Radweg) ? Alles da, vielleicht nicht ganz so groß. Dafür können die Mädels nicht mithalten -  bei uns gibt's Bessere ! Man könnte glatt sagen:
Sie wollen hässliche Weiber sehen ? - dann kommen Sie nach Wien, Sie werden es nicht bereuen !!!
Falls Sie anderer Meinung sind, lassen sie es mich bitte wissen. (siehe unten)

Mittags sieht uns eine Ente an der Donau zu, wie wir Spiegeleier braten.
Außerdem interessiert sie sich für unsere Sachen, die wir zum trocknen ausbreiten - lange funktioniert das nicht, denn dunkle
Wolken verdecken die Sonne und machen kurz darauf alles wieder naß ...

Die Strecke zwischen Wien und Pratislava fahren wir fast ausschließlich auf dem Donau Radweg. Ein Idyll.
Die Schotterpiste läßt erstaunliche Geschwindigkeit zu - vorbei an grünen Wiesen, nicht immer ist die Donau zu sehen.

Während sich Sandro mit einem (ur)alten Mann unterhält, welcher auch mit dem Rad unterweg ist (1800km) und nur von Brot und Milch lebt, musste ich mich beeilen 1 Liter Eiscreme auszulöffeln. Es war am Abend noch warm genug, es schnell schmelzen zu lassen.
Gekauft hatte ich's, weil es nicht teurer war als ein kleines Eis ;-) , und dachte Sandro hilft dabei, aber der findet den Radler offenbar interessanter ...
Zelt bei Hainburg aufgestellt. Insgesamt erschreckend, was wir in 5 Tagen erradelt haben. 3 Tage bis Brünn, daraufhin Wien und obwohl wir am Vormittag die Stadt besichtigt haben, sind wir nach 100 km fast in Pratislava.

Tagesstrecke = 105 km
Fahrzeit = 5 h 36 min
Durchschnitt = 16,5 km/h
Höchstgeschwindigkeit = 34,4 km/h

Gesamtstrecke = 650 km
Geld:  0, nischt !

Tag 6, Fr
Der Tag geht schon gut los.
Beim Packen bleibt das Seil, welches Zelt und Schlafsack auf dem Gepäckträger hält, in der Schaltung hängen. Selbstverständlich kippt das Rad auch bei dieser Gelegenheit um - das tut es sowieso sehr gern mit den schweren Packtaschen. Ich muss mir unbedingt das Fluchen daraufhin abgewöhnen ! ("Dieser Scheißmistxxx##xxxxMicrosoft###StänderXXXan_der_schhhschhhschhhh_Karre")

Nach 5 km waren wir in Pratislava und radeln im Chaos mit - und was für ein Chaos:

In die zwei Fahrspuren voller PKW und LKW münden zusätzlich noch zwei Fahrspuren von rechts.

Wegen Oirientierungsroblemen kommen wir sogar mehrmals in den Genuss dieser Strecke. Kurz darauf minimierte sich das Risiko überfahren zu werden drastisch. Ursache war ein Unfall und damit Stau auf der ganzen Brücke. Dank Kompass ist die Burg schnell gefunden. Dort macht sich eine japanische Touristin über uns lustig, nur weil wir die Räder ein paar Treppen hochschleppen, obwohl von oben gut erkennbar, ein Weg hoch führt. Zusammen erkunden wir die Burg und erfahren in erstklassigem Englisch viel über Japan. Sie war Lehrerin und lebt in Tokio. Hab gar nicht gewusst, dass der Durchschnittsjapaner nur 7 Tage Jahresurlaub hat - bisschen wenig finde ich. Ihrer Meinung nach, ist die Mentalität der Japaner der Deutschen sehr ähnlich. Apropos Mentalität - die Südländische find ich spitze. Wie in Italien latschen die Leute in Kroatien mit Schlappen durch den Supermarkt. Warum macht bei uns keiner an der Schattenseite des Hauses, mal ein Nickerchen ???
Sandro zeigt auf eine Gruppe Jugendliche: "Die latschen so cool - die müssen aufpassen, dass sie nicht auf die Fresse fliegen...".

Mit ungelogenen 35km/h rollert am Nachmittag die Eisenbahn weiter. Bis zur Grenze nach Ungarn schiebt uns der Rückwind. In Slowenien sind die Mädchen auch wieder hübsch - in Ungarn sowieso. Ich sitze gerade in Gyor, vorm Interspar. Wenn's so weitergeht ist der Balaton nicht mehr weit.  Wir radeln noch ein Stück, suchen ein nettes Plätzchen um den gerade gekauften Joghurt und das frische Brot zu "kosten". Mittags ist's meist zu heiß zum kochen, also wird morgens warm gegessen. (heut gab's Nudeln mit Gulasch a la Sandro) Früher stellte ich mir Ungarn furchtbar flach und trocken vor - die Strecke Per, Nyalka, Tap und Laci ist recht hügelig und herrlich (Laub) bewaldet.

Ungarn eine trockene Steppe - glaub ich nicht !
Zelt bei der Burg in Cseznek aufgebaut - gerade hält ein Auto, was der wohl will ...

Tagesstrecke = 158,9 km
Durchschnitt = 21,7 km/h (ohne Bratislava bestimmt 24 km/h)
Zeit = 7h 18 min
Höchstgeschwindigkeit = 49,9 km/h
Gesamtstrecke = 808 km

Geld: 1100 Forint für Lebensmittel

Tag 8, So
Heiß heute in Ungarn.
Es ist nicht einfach was ins Tourtagebuch zu schreiben, während man auf dem Rücken liegt.
Immerhin blendet einen die Sonne dann nicht mehr - in Balatonfüred ist vielleicht ein Rummel,
als gibt es keine anderen Seen. Für Nichtschwimmer ist er aber ideal.

Von 14 bis 17 Uhr in der Sonne brutzeln, das muss auch mal sein - vor lauter Langeweile schreiben wir Postkarten:

Am Morgen besuchten wir die Burg bei Cseznec - Zeit ist ja genug wenn man  6:15 Uhr aufsteht.

Es bleibt dabei - Ungarn ist nicht flach ! Allerdings ist's seit Zirc doch schon recht trocken.

Am Abend lies uns das Licht der untergehenden Sonne in anderen Farben "scheinen".
Blitzschnell verschwand sie während des Zeltaufbau's hinter einem Hügel.
Noch immer werden die Wolken angestrahlt - was für ein Bild.

Tagesstrecke = 115 km
Durchschnitt = 18,9 km/h
Fahrzeit     = 6 h 07 min
Höchstgeschwindigkeit  =  61,4 km/h

Gesamtstrecke = 924 km
Geld: Möhren und eine Rolle Kekse für 240 Forint

Tag 8, Mo
Der Abend vorher war nochmal richtig interessant. Es galt schnell alle Sachen in's Zelt zu befördern und hinterherzuspringen. Warum ? Na wegen den Mücken, kaum waren wir im Zelt, drängten sich bestimmt 30 Stück vor dem Moskitonetz und wollten mit in's Zelt.

Heute wieder zeitig aufgestanden, um gegen 7 Uhr Makronis zu kochen.
Wir sitzen jetzt wegen eines kleinen Gewitters in einer Bushaltestelle, in die es schräg reinregnet.
(kurz nach Zalavar beim kris (kleinen)Balaton) Wir drängen uns an die hintere Wand um einigermaßen trocken zu bleiben -
Spaßeshalber fehlen die Seitenfenster, so dass es in regelmäßigen Intervallen seitlich reinschwutzt.

Weit kommen wir nicht bis zum nächsten Gewitterguss. Ich brate in einem trockenen Bushäuschen 2 Eier, während Sandro weiterradelt. Kaum hab ich aufgefuttert, hält ein PKW aus ANA(berg). Der Fahrer redet mich gleich auf Deutsch an. Thema: Das Wetter ! Ich meine, dass so eine kleine Erfrischung auch mal gut tut. Er daraufhin: "Ja, mal ein kleiner Husch !!"
Überhaupt lernt man selten einen so kontaktfreudigen und sympathischen Typen kennen - seitdem hab ich ein neues Wort in's Vokabular aufgenommen. (ein kleiner "Husch") Ich amüsiere mich noch viele Kilometer über das Wort. Die Autofahrer haben sich bestimmt gewundert, als sie den grinsenden Radfahrer gesehen haben. Weiter Richtung Zakaros überholten uns zwei Rennradler. Das besondere daran war, dass beide Räder mit einem Seil verbunden waren. Der Profi zog seine Freundin mit einem Seil hinterher - verrückt die Ungarn !

Ungarn werd ich gut in Erinnerung behalten. Erstaunlich hoher Anteil an Fahrzeugen aus sozialistischer Produktion. Die Fahrzeuge scheinen wie konserviert - vermutlich den milden Wintern zuzuschreiben. (ohne Salz). Wir wissen nicht recht, welcher Grenzübergang der Beste ist. Einer könnte in einer Autobahn münden, ein anderer ist vielleicht keiner und der Dritte ist mit einem großen Umweg verbunden. Wir entscheiden und für letztere Möglichkeit: Csurgo, Berzene, Gola DRNJE. Je südlicher man kommt, desto wichtiger werden die Grenzbeamten. Da keiner zu sehen ist, fährt Sandro langsam durch die geschlossene Schranke. Der Beamte kommt schnellen Schrittes näher ist sehr verärgert . Mit aller Kraft drückt er den Stempel in den Reisepass und sieht sich lange und wichtig denselben an. An dieser Stelle ist vielleicht zu erwähnen, dass ich meinen Personalausweis schon längerer Zeit verlegt habe. Was solls - Reisepass müsste reichen.

Das erste Fahrzeug, was wir in Kroatien sahen war übrigens ein Ferrari neuerer Bauart (Modena oder so..).

Nach der Grenze ist es flach, das bleibt bis Koprirnica so, später wird's wieder recht hügelig. Mein Hintern tut weh als wäre ich 1000 km geradelt - weit kommen wir nicht mehr. Kurz nach Sokoiovaiag zelten wir hinter einem Busch.

Geld umtauschen war heute leider nicht möglich und da man ohne Geld nichts einkaufen kann, fällt das Abendbrot flach. Sandro hat übrigens nur zu Frühstück gegessen - aber er wollte ja nichts zum Mittag...

Hübsch sind die Mädels auch hier - und zu meiner großen Freude nicht mehr ganz so schüchtern wie in Ungarn.
Mein Bierchen vom Scheibenwischer-reparieren hab ich heut gekostet - war weg wie nischt.
Doch Vorsicht: Die Wirkung von Bier nach 150 km Radfahren ist erstaunlich ...

Tagesstrecke = 164,4 km
Durchschnitt = 20,3 km/h
Fahrzeit = 8 h 04 min
Höchstgeschwindigkeit = 49,1 km/h

Gesamtstrecke = 1089 km
Geld: Kauf doch öfter mal bei Aldi, oder Lidl - oder einfach mal gar nicht's, dafür haben wir hunger ;-(

Tag 9, Di
Vorsichtig setze ich mich auf's Rad, ein Glück, dass mein Hintern wieder weniger schmerzt. Hatte am Abend Sportgel draufgeschmiert- hilft vermutlich. Zum Frühstück gibt's das, was noch da ist. 3 Eier, etwas Brot, Schinken und viel Käse wurden zu einer Art "Auflauf". Bisher haben wir allen gegessen, was wir kreiert haben. Schmeckte besser als es aussah.

Beim Experimentieren mit verschiedenen Zutaten gelingt manch Köstlichkeit, hier ging's voll daneben ...

In einer e-mail schreibt Sandro später:
"Ich hab mal die Version von dem Reisebericht angesehen, wie lange hast
du denn da dran gesessen?
Mit einigen Sachen bin ich übrigens nicht einverstanden, beispielsweise
das Gelumpe, das du einen Tag vor Zagreb zusammengerührt hast:
Da schreibste, dass das gar nicht so schlecht geschmeckt haben soll.
Pfui Deibl!!!!
Das war so eklig, dass mir jetzt noch schlecht wird, wenn ich daran
denke!!! "
 
 

Ich finde er übertreibt - oder ... ?

Weiter nach Zagreb kommen wir vom Weg ab und stehen plötzlich vor einer Autobahn (nach Krizevci). Umdrehen.
Finden dann aber doch noch nach Dugo Selo, und sind nach genau 80 km in Zagreb. Die Straße ist ausnahmsweise mal richtig schlecht. Aller 10m ein Absatz, dass es einem die Blomben rausschüttelt. Erstmal gilt es den Hunger zu stillen. Als wir endlich einen KONZUM finden, war dieser geschlossen. Auch bei zwei Weiteren hing ein Zettel dran - am 05.08. geschlossen.
Offensichtlich ist heute ein Feiertag - und wir haben Hunger!

Wir tauschen etwas Geld und dieses wenig später gegen Blätterteig beim Bäcker. Echten Kuchen gab's nirgends. Zwei kleine Hamburger runden unser Menü ab. Sehenswürdigkeiten gibt's in in Zagreb nicht viel zu sehen. Ganze 3 Stück, welche auch qualitativ nicht gewaltig sind - da war schon manche Dorfkirche schöner.

Kann es sein, dass es in jeder größeren Stadt einen Reiter gibt ???
Was solls, erfreuen wir uns doch einfach an einem großen Eis. Mehr zufällig entdecken wir den Bahnhof - von außen richtig groß,
das Angebot ist aber gering. Außerdem kann ich mein Rad nicht mitnehmen, die Nachhausefahrt von Zagreb macht wenig Sinn. Oje - das wird noch lustig. Mal sehen - wird schon irgendwie gehen ...

Das Hineinradeln war ja kein Problem, das herauskommen schon eher. Auf Feldwegen, vorbei an Maisfeldern und an der Autobahn entlang, erreichen wir nach 2h wieder eine Straße. Richtung Donja Kupcina waren wir in einem See baden, was wegen Seerosen und deren Stacheln erschwert wurde. Wozu die Objekte dienten, weiß ich nicht, auf jeden Fall hatten sie drei Stacheln so angeordnet, dass man auf jeden Fall auf eine drauflatscht. Aua, aua ...

Oft Stand an der Straße ein Tisch, mit wenigen Produkten. Bei einer netten OMI kaufe ich 5 Eier für 5 Kuna. In Kroatien dauert Einkaufen ungleich länger als bei uns. Seit dem "Einkauf" weiß ich u.a., dass farem - Danke und Doswitchinja-Aufwiedersehen heißt. Sie erzählte, dass sie mal in D. war - irgendwie hatte ich das Gefühl, mein Besuch hat ihr viel Freude bereitet. Wir müssen uns beeilen, denn gleich wird's dunkel - das Zelt ist schnell aufgebaut, unsere wenigen Kekse heben wir uns lieber für's Frühstück auf. Wegen diesem doofen Feiertag werden wir  hungrig einschlafen müssen ;-(  Mit den Eiern habe ich alle Zutaten für Eierkuchen zusammen.
Und die machen wir morgen, vor Vorfreude läuft mir das Wasser im Mund zusammen ...
Tagesstrecke = 130 km
Durchschnitt = 18,3 km/h
Fahrzeit = 7 h 04 min
Höchstgeschwindigkeit = 55,6 km/h

Gesamtstrecke = 1219 km

Tag 10, Mi
Auch heute Morgen zog gegen 6 Uhr ein Gewitter auf. Südlich von Zagreb donnert's schon ordentlich.
Da können unsere Gewitter noch was lernen !
Es brummt so schön tief - sicherheitshalber hab ich meinen Schlafsack in eine Tüte gepackt, damit er nicht nass wird.
Die Nähte des Zeltes sind nämlich undicht, außerdem tropft es von den Seiten rein - wir hatten alle Hände voll zu tun, das Wasser mit dem Handtuch rauszutragen. Wir teilen uns die letzten Kekskrümel - wenn heute auch Feiertag ist, dreh ich um !
Gestern waren zum Schluss ganz schöne Steigungen zu bewältigen - die ersten 30 km waren heute recht flach, Mittlerweile ist es wieder bergig. Viele Häuser in Karlovac, und nicht nur dort, sehen traurig aus. Gegen Mittag kam nochmal ein kleiner "Husch". Mit den typischen, kurzen und sehr intensiven Regengüssen, können wir langsam umgehen. Tropf, tropf - Plane raus und 3 Minuten warten. Die Landschaft wird bergiger und schöner. Gegen 14:30 Uhr ziehen dunkle Wolken an. Mit 3 Rundhölzern und Sandri's Plane bastelten wir eine kleine Hütte, unter der wir kochen konnten. Zusätzlich gab's eine herrliche Aussicht auf dampfende Wälder, die sich über die Hügel ziehen. Zur Ernüchterung, hatte ich kein Mehl sondern Grieß gekauft - ich könnte heulen, hatte mich schon so auf Eierkuchen gefreut.
Na immerhin ist Grießbrei erstaunlich ergiebig - mit wenig Grieß und mehreren Litern Wasser, kommt schnell man an die Grenzen des Topfes. 3 Kilometer später ging ein Gewitter nieder, wie ich es noch nicht erlebt hab. Nebeneinander sitzen wir unter der Baumarktplane und frieren, während es nur so prasselt. In so einer Situation merkt man erst, wie wichtig ein Freund ist. "Willst du noch ein Stück Folie ?" Sowas schweißt zusammen. Allein wird man da schnell depressiv - zu Zweit lacht man über die lockeren Sprüche des Anderen.
Später entsteht ein Stau. Wir radeln an der 2 km langen Autoschlange vorbei. Die Autofahrer winken uns zu. Wieder mal wurde die Überlegenheit des Fahrrades eindrucksvoll demonstriert ;-) Wir passieren den Unfallort und radeln vergnügt entgegen die 5km lange Autoschlange, der anderen Seite.

Am Abend erreichen wir den Nationalpark Plitzewitzer Seen und sind begeistert von dem blau der aneinandergereihten Seen.
Jetzt ist eingetreten was ich eigentlich nicht wollte - nämlich hier im Nationalpark zu übernachten.

In einer Eisdiele werden wir schlafen. Vor uns brummt der Gefrierschrank - ich zieh gleich den Stecker raus!
Baden in den Seen ist natürlich verboten - war aber sehr schön, das Wasser ganz klar.
Recht kühl mittlerweile. Morgen wollen wir mehr erkunden - das werden Bilder ...

Tagesstrecke = 116 km
Durchschnitt = 17,4 km/h
Fahrzeit = 6 h 42 min
Höchstgeschw. = 53,1 km/h

Gesamtstrecke = 1335 km
Geld: 55 kuna für Lebensmittel (Grieß, Möhren ...)

Tag 11, Do:   Pitwitzer Seen
Ich konnte sehr gut schlafen. Sandro bestimmt weniger, denn sein Schlafsack war noch von der letzten Nacht klatschnass.
Schon 6 Uhr rollten wir die Schlafsäcke zusammen, da man wegen dem Gewitter sowieso nicht mehr schlafen konnte und gingen nochmal eine Stunde bei Nieselregen durch den Park. Trotzdem waren die Seen im Abendlicht schöner als am Morgen. Wir radeln weiter. Nach 40 km kommen hohe Berge zum Vorschein - die Straße führt aber überwiegend im Tal entlang. Nachdem wir in Cracac einkaufen waren, radelten wir die "1" an Steinen und Geröll vorbei weiter. Ein Anstieg ließ uns ganz schon schwitzen, denn gerade jetzt kommt die Sonne raus - die 20km langen Ebene vorher, hatten wir nur Nieselregen. 40 km vor Knin bemerkt Sandro an seinem Hinterrad ein Problem. Die Felge ist eingerissen und muss erneuert werden. Mit Mühe erreichen wir Knin und staunen nicht schlecht als wir erfahren, dass es dort keinen Fahrradladen gibt. Jeden den wir Fragen verweist uns auf Sibenik oder Split.
Ich tausche noch 30 Euro und wir machen uns auf den (Um)Weg zum 50 km entfernten Sibenik.

Etwa 1/3 der heute gesehenen Häuser sind stark beschädigt - die meisten davon völlig ausgebrannt. Die Fassaden voller Einschusslöcher - manche Handtellergroß. Vieleicht sind daher viele neugebaute Hause (Zagreb) unverputzt. Auch Auto's und Straßenschilder stehen zerschossen da. Allerdings ist für uns so ein Haus ideal zum Übernachten, und das tun wir 10 km nach Knin.

Tagesstrecke = 158 km
Durchschnitt = 20,2 km/h
Fahrzeit = 7 h 47 min
Höchstgeschwindigkeit = 57,2 km

Gesamtstrecke = 1499 km
Geld: 65 kuna für Mehl, 5 Eier, Nugat, 2 Brote

Tag 12, Do:  Knin - Sibenik - 20 km vor Split
Gerade eben sagte der Fahrradladenbesitzer in Sibenik, dass erst übermorgen Lieferung kommt. Ein Rad von den anderen ausbauen ist (wegen dem Rindvieh) nicht möglich. Und so müssen wir mangels Fahrradläden, sehr, sehr vorsichtig, noch die 50 km bis Split fahren. Zum Glück hatten wir das Problem nicht südlicher, denn dort gibt's höchstens alle 200 km mal einen.
Der Weg dahin war trocken und staubig. Trockene Gräser am Straßenrand, steinige Steppe zieht sich über Hügel. Sandro gefällt's gut, mir überhaupt nicht.

Da schon eher die Eierkuchen, die wir endlich am morgen in gemütlicher Atmosphäre gebacken haben! Lecker.

Welch Triumph. Diesmal hatte ich nicht statt Mehl, Grieß oder Haferflocken gekauft, oder den Eiern erlaubt in flüssiger Form durch die Packtaschen zu laufen. (auch diesmal waren die Schalen zerbrochen - aber der Inhalt noch in einer Tüte, gut ne ...) Nach 3 erfolglosen Anläufen - gelingt in wässriger Margarine ein (!) einwandfreier Eierkuchen. Augen (besser) zu und genießen.
Lange hing die Karte in meinem Zimmer - jetzt geht's los, denn wir fahren von Sibenik bis Dubrovnik die Panoramastraße am Mittelmeer entlang. Eben war ich drin baden - wusste gar nicht mehr wie salzig das Wasser ist (Pisa Tour). Bin zwar kein Salzwasserfreund, trotzdem muss man doch mal drin baden, wenn man schon mit dem Rad hin fährt. Was für ein Spaß, Schwierigkeiten bereitet der starke Wind und damit Wellengang an der Steinküste. Nach 2Litern erinnert mich der Brechreiz daran, wieder einen kleinen Schluck getrunken zu haben. Außerdem drücken die Wellen einen gegen die Steine, so dass man wieder einen Schluck von der Salzbrühe trinkt- schnell raus hier ! Hoffentlich gibt es in Split Felgen. Dort muss ich mich auch langsam um die Rückfahrt erkundigen, muss ja nächsten Montag wieder einigermaßen pünktlich auf Arbeit erscheinen, vielleicht mit der Fähre nach Italien und dann irgendwie  weiter ... Den Nachmittag brutzeln wir in der Sonne. Fahren am Abend noch etwa 30 km weiter, bis wir 20 Uhr ein hübsches Häuschen endecken. Dort liegt sogar eine Matratze drin - mal weich schlafen.

Tagesstrecke = 108 km
Durchschnitt 19,2 km/h
Fahrzeit = 5 h 32 min
Höchstgeschwindigkeit = 56,6 km/h

Gesamtstrecke = 1607 km

Tag 13, Fr -  Split
Trotz der traumhaften Bedingungen, konnte man nicht so gut schlafen. Vielleicht wegen der Mücken, oder weil der Körper förmlich noch von der Sonne ausglühte. Früh gab's eine große Portion Haferflocken+Kornflakes mit Apfel und Schokostückchen drin, immer wieder gut. Die 22km bis Split waren kein Problem - dort einen Fahrradladen zu finden schon eher. Der erste Verkauft nur, weiß aber den Weg zum "Bike Service". Gegen 10 Uhr finden wir den Laden - hinter der letzten Hochhaus Ecke. Die Felge muss ausgespeicht werden - das dauert eine Weile.
In der Zwischenzeit bin ich zum Bahnhof geradelt und erkundigte mich über Fährpreise. Es macht einen riesen Spaß über den Markt schlendern, der inmitten alter Mauern und Portale gelegen ist. Die Verkäuferinnen sind sehr freundlich, ich kaufe neben Möhren, Eier und Milch auch ein paar Sandaletten, von denen ich mir Vorteile bei Regen erhoffe. (trocknen schneller) Nach 2 Stunden begebe ich mich auf den Rückweg, versuche Sandro beim Fahrradladen wiederzufinden. Das ist leichter gesagt als getan, es gibt einfach nichts, was mir bekannt vorkommt. Auch den Straßenanmen hab ich nicht aufgeschrieben. Zu allem übel zieht auch noch ein Gewitter auf. Durch den kurzen Schauer entsteht ein schmieriger Straßenbelag, so dass die meisten Autos mit rutschenden Reifen, kurz vor der Ampel, zum stehen kommen. So schlimm wird's schon nicht sein - denke ich mir, fahre mit Schwung an einem gut besuchten Café vorbei, rutsche auf einer nassen Fahrbahnmarkierung aus und liege im nächsten Moment schon vor den Füßen der Cafébesucher. An dieser Stelle muss vermerkt werden, dass der letzte Sturz sehr, sehr lange zurückliegt - man kann fast sagen, es wurde langsam Zeit ... (400 km im Winter und nicht mal geflogen ;-)
Mit vielen Kratzern dann mehrmals die Hafenstraße zum Bahnhof auf und abgefahren - doch kein Sandro in Sicht. Gegen 18:00 will ich weiterfahren und erkenne einen Tunnel wieder. Der Fahrradladen ist schnell gefunden - Sandro ist nach 4h warten zwar etwas verärgert, freut sich aber auch. Damit nimmt der Tag noch ein gutes Ende. Wir radeln gemeinsam aus der Stadt.
Gegen Heimweh helfen hoffentlich die 2 Bierchen. Wir übernachten in einem tollen Hotel - zumindest wird es mal eins werden, noch ist es eine Baustelle mit Panorama-Meeresblick.

Fahrstrecke   = 86 km
Fahrzeit  = 5 h 36 min   (Es war zu dunkel um alles aufzuschreiben ...)

Tag 14, Sa
Heute 5:45 Uhr aufgestanden und 6 Uhr bereits wieder auf dem Rad gesessen. Nach 8km gibt's Müsli. Gegen 10 Uhr zieht das erste Gewitter des Tages auf - nachdem ich schon klatschnass bin, nehme ich die Plane raus. Über das Fahrrad gebückt warte ich unter der Plane den Regen ab, der mir in die Sandalen läuft. Es Regnet so heftig, dass das Wasser nicht gleich abfließen kann und so bilden sich kleine Bäche, die sich um meine Sandalen schlängeln. (patsch, patsch)

Bis 12 Uhr ist es stark bewölkt und es nieselt, was für diese Gegend untypisch ist.
Die Strecke ist schön - am Meer entlang über recht hohe Berge.

In Metkovic kaufen wir ein und radeln mit schweren Rädern ausnahmsweise mal kleinere Straßen. Nach einem hohen Berg vorbei an kleinen Dörfern. Angenehm fällt auf, dass die meisten Leute draußen sitzen. Frauen, die Kartoffeln schälen, die Kinder spielen gleich daneben. Nach 130 km machen wir 17 Uhr nochmal Pause. Für die Dorfbewohner muss unser Besuch furchtbar interessant sein. Kinder gehen auffällig unauffällig an uns vorbei, drehen wieder um und gehen nochmal vorbei ! Altere Leute machen etwa dasselbe, tun aber so als hätten sie was zu tun.
Laut Hupend grüßen uns eine Menge Autofahrer - eine Hochzeit feiernd. Mit vollem Bauch ist ein 12% Anstieg nicht leicht. Der Grenzbeamte in Bosnien Herzigovina ist freundlich und zeigt uns den Weg über Naun nach Dubrovnik - als wieder am Meer entlang.
Das Stück durch B.H. geht problemlos. Übernachtung etwa bei Ston.

Tagesstrecke = 155 km
Durchschnitt = 18,3 km
Fahrzeit = 8 h 27 min
Höchstgeschwindigkeit = 52,3 km/h

Gesamtstrecke = 1849 km

Tag 15, So - Dubrovnik
Am späten Abend schüttet es wie aus Eimern. Mehrmals müssen wir den Schlafplatz wechseln, weil das Wasser
in die offenen Fenster reinregnet und sich kleine Seen ausbreiten. Nachdem sich das untere Ende meines Schlafsacks vollgesaugt hatte versuchte ich (vergeblich) das Wasser auszuwinden und verteilte damit das Wasser im Schlafsack noch schneller.
Wir stehen 6:30 auf, um nicht noch länger im nassen Schlafsack zu frieren - ein Blick aus dem Panoramafenster - es regnet immer noch.
Na und - dann kochen wir eben erstmal Nudeln mit Pilzsoße. Gegen 9 Uhr wird's besser. Von weiterradeln kann man eigentlich
nicht reden - waren wir doch nur am Umziehen. Besonders schnell wechselnde Wetterbedingungen treiben einen zum Wahnsinn.
Regnet es nun stärker oder nicht ? Nach 5 Minute im starken Regen ist man dann meist naß genug, um die Regenjacke rauszuholen.
Meist hört der Regen dann nach wenigen Minuten auf - trotzdem läßt man die Regensachen noch an, weil es ja gleich wieder losgehen kann. Maximal 5 min später bleibt einem nichts anderes übrig als die Sachen wieder auszuziehen - will man nicht an Hitzschlag sterben.
In den Foliensachen ist nämlich keinerlei Luftzirkulation möglich, die Folge: Hitze, die ich beginne dann schnell zu schwitzen.
Egal ob nun vom Regen oder vom eigenen Schweiß - naß wird man immer !!!
Ich glaube, selbst mit der teuersten Jacke ist das nicht lösbar ...

Mit leichtem Gegenwind erradeln wir die hügeligen 50 km bis Dubrovnik, zwischendurch kommt sogar die Sonne raus.

Die Küstenstraße schlängelt sich unmittelbar am Meer entlang.

Ein Glassplitter in Sandro's (sehr teurem) Hinterreifen zwingt uns zu einer Pause. Platten.
Bing - kaum war der Schlauch repariert, bricht an meinem Hinterrad eine Speiche.
Mit eierndem Hinterrad komm ich trotzdem noch bis DU.
Da wir den Zahnkranz nicht abnehmen können, fädeln wir die Speiche von der anderen Seite ein - hält bis heute ...


In der Stadt haben wir große Probleme die Altstadt zu finden. Als wir dort waren stellen wir fest, dass es unmöglich ist die Fahrräder über die Treppen zu schleppen. Während einer sich die Stadt ansieht, bleibt der andere bei den Rädern und schreibt Postkarten und Tourtagebuch. Die Gebäude und die schmalen Gassen erinnern mich an Venedig - eben nur ohne Kanäle. Praktisch jeder Quadratzentimeter ist zugepflastert - riesige Gummibäume bringen trotzdem etwas Grün in die Stadt. Man kann sich die Stadt wie eine Schüssel vorstellen. Der Mittelpunkt ist der tiefste, die Mauern drum der höchste. Lange Treppen führen Sternförmig an den Häusern vorbei zur Mitte. 19 Uhr verlassen wir die Stadt wieder Richtung Split. Anfangs macht es noch laune der Sonne entgegenzuradeln. Später müssen wir dicht zusammenbleiben, da nur Sandro's Vorderlicht und mein Rücklicht funktioniert. Das war teilweise recht gefährlich wenn man mit 40+ Berge runterrollert und nischt sieht, die Straßenführung kann man dann nur erahnen. Oft blendet das Licht der entgegenkommende Autos. Wenn die Autos sich dann noch überholen, also zwei Blechkisten nebeneinander auf Dich zukommen ..., bleibt einem glatt das Herz stehen. 30 km bei diesen Bedingungen und wir erreichen die Übernachtungsmöglichkeit, in der wir gestern schon nächtigten.

Tagesstrecke = 115 km
Durchschnitt = 18,5 km/h
Fahrzeit = 6 h 13 min
Höchstgeschwindigkeit = 49,3 km/h

Gesamtstrecke = 1964 km

Tag 16, Mo
Erst 7 Uhr kriechen wir aus unseren Schlafsäcken, Sandro kocht Reis mit Tomatensuppe. (hat nicht geschmeckt - ätsch)
Er wollte ursprünglich weiter durch Albanien und dann nach Griechenland radeln, Studenten haben viel Zeit...
Nun muss das bisschen Reis für zwei Personen reichen, denn Sandro kommt wieder mit zurück, eine Tour zu zweit ist auch viel schöner.

Noch beim Rausschieben bemerke ich einen Platten am Hinterrad. Ein Stück Draht hatte sich durch den Reifen gebohrt und den Schlauch durchstochen. Damit ist wieder Gleichstand - jeder hatte einen Platten und ein größeres Problem. Sandro kauft sehr hochwertiges Material, ich dagegen sehr billig ein. Während er Reifen für je 30 € kauft, müssen bei mir 5€ pro Stück reichen ...
Offensichtlich ist es damit aber nicht immer besser.

An der Tankstelle holen wir Trinkwasser und waschen im Waschbecken unsere Sachen. Sie Sonne brutzelt wieder stark - da trocknen die nassen Sachen schnell wieder, indem wir diese einfach wieder anziehen. Langsam wird es langweilig die selbe Strecke wieder zurückzufahren. Wir erreichten nach 110 km Magarska und Sandro ist grad einkaufen.

Wir leben nicht schlecht oder ?
Kekse, Schokolade, Milch, Brot, Reis(2. Wahl), Wurst, Margarine, Nougat ... alles da.

Kurz nach der schönen Stadt machen wir eine große Pause und futtern uns voll.
Das war nicht sonderlich klever, da in 1 Stunde die Sonne unter geht.
Wir kommen grad noch den Berg bei Dunci (rechts weg) hoch und bauen Zelt auf.

Tagesstrecke = 130 km
Durchschnitt = 18,9 km/h
Fahrzeit = 6 h 52 min
Höchstgeschw. = 55,2 km/h

Gesamtstrecke = 2095 km

Tag 17, Di
Trotzt der stacheligen Pflanzen unter dem Zelt haben wir die Nacht gut überstanden und radeln zeitig weiter.

Was für ein Vergnügen neue Berge und Täler zu entdecken - versüßt durch die Weintrauben, die über viele Zäune wachsen. Bis Katuni, Novo Sela und Ugliane ist es sehr bergig - es läuft schlecht. Nach Einölen von Tretlager, Radlager und Kette geht die Post wieder ab.
Nach Turjacki und Sinji kommt ein großer See. Die Fahrt an diesem entlang war sehr schön.
Kurz vor dem Ende des Sees (bei vrlinka) machen wir Pause.

Endlich mal wieder in Süßwasser baden. Kurz nach 16 Uhr brechen wir auf, um die 35 km bis Knin zurückzulegen.
Trotzt Gegenwind sind wir sehr schnell - so um die 30 km/h die Stirn brennt von der hoch oben stehenden Sonne.
Der Bahnhof in Knin ist schnell gefunden, dort lesen wir die Abfahrtzeit 21:30 Uhr.

Mit dem Zug wollen wir etwa 250 km "abkürzen". 21:30 rollt der Zug in den Bahnhof bei Knin.
Wir erkennen von weitem einen Waggon zum Autotransport.
"Die Fahrräder können Sie nicht mitnehmen" - einer der beiden Schaffner sprach recht gut Deutsch.
Nach langem hin und her entschließen sie sich doch, dass wir die Räder auf den Autowagon legen können. "Dafür bekommen wir aber was". Wenig später stehen die beiden vor uns im Abteil und wollen ihren "Lohn". Mit 20 Kuna wollten sie nicht gehen - müssen's ja noch miteinander teilen, also nochmal 50 Kuna draufgelegt und wir haben (vorerst) unsere Ruhe.

Tagesstrecke = 123 km
Durchschnitt = 19,5 km/h
Fahrzeit = 6h 18min
Höchstgeschwindigkeit = 60,2 km/h

Gesamtstrecke = 2218 km
Geld:  60 Kuna für Nahrungsmittel
          82 Kuna für Fahrkarten + 70 Kuna an Schaffner

Tag 18, Mi
2:30 Uhr weckt mich Sandro - ich hatte mich längst im Zug schlafen gelegt.

Wir und die Räder haben die Fahrt nach Ogulin problemlos überstanden. Wir wollen aus der Stadt rausfahren, Zelt aufbauen und noch ein weilchen Schlafen. Es war stockdunkel und frisch auf dem Rad. Als wir das Ende der Stadt erreichen, seh ich auf dem Kompass, dass wir in die Falsche Richtung gefahren sind - also nochmal zurück. Es war genau 4 Uhr als wir unser Zelt aufbauen und bis 7:30 schlafen. Erst am Morgen sahen wir, wie nah das Zelt an der Staße steht. Sandro hält das nicht vom Frühstück ab.

Schnell wird uns von dem folgenden 10km 8% Anstieg warm. Ähnlich den sächsischen Wäldern, geht's vorbei an Zuidorag und noch höher in Jasenek sah es sogar aus wie im Allgäu. Ich bin wütend auf Sandro, weil er noch am Morgen im Bahnhof sagte: "Das ist eine asphaltierte Straße" - er wusste genau, dass es nicht so ist. Im Gegensatz zu mir fährt Sandro gern solche Wege.
20 km ständig Pfützen ausweichen und dabei 1000 Hm auf Schotter hochfahren - das brauch ich nicht gleich wieder ...
Wir rasen darauf die Straße durch Breze und Pletano runter - bis zum Meer, was für eine Abfahrt.
Auf halber Strecke genieße ich Cornflakes mit Aussicht ...

Bis Rjieka ist es nicht mehr weit (Meereshöhe) - bis zur Rennstrecke vorbei an Briber, Krisisce,Càrte war wieder eine mörderische Hitze. Mich zog die Strecke förmlich an, Sandro kam kaum hinterher. 16 Uhr waren die Strapazen zu Ende. Auffallend viele italienische Motorräder hier. Ich unterhalte mich mit den Fahrern, fotografiere und staune über deren Umbauten.

Mit einem tollen Aussicht aus dem Zelt über die Rennstrecke kochen wir noch 500g Makroni.
Satt kriechen wir in die warmen und trockenen Schlafsäcke.

Tagesstrecke = 124 km
Durchschnitt = 16,1 km/h
Fahrzeit = 7 h 42 min
Höchstgeschwindigkeit = 52,4 km/h

Gesamtstrecke = 2342 km
Geld: 0 -  also wieder recht sparsam

Tag 19, Do
Aufstehen - es gibt Milchreis ...
Nach dem Reinigen des Topfes, was immer akribisch durchgeführt wird und bis zu 10 minuten dauern kann, sind wir noch mal kurz zu den Boxengassen. Die 10 km nach Mrzla Volinka musste ich noch an die ausgefrästen Kupplungsdeckel und durchbohrten Ritzel denken. (bzw. wie man das selber machen kann ...) Vorbei an Gerovo ist es sehr schön, malerische Orte in bewaldete Hügel gebettet. Die Wiesen sind grün und saftig. Bei Park biegen wir nach Cabor ab um dort die Grenze zu überqueren. Wir dürfen zwar aus Kroatien ausreisen, aber nicht nach Slowenien rein, weil eine dicke Grenzbeamtin meint, der Übergang ist nur für Kroaten und Slowenen. Wegen der doofen Tante müssen wir die Serpentinen wieder hochradeln, die Abfahrt vorher war vom Allerfeinsten.

Strecke = 125 km
Durchschnitt = 16,5 km/h
Fahrzeit = 7 h 34 min
Höchstgeschwindigkeit = 59,1 km/h

Gesamtstrecke = 2471 km
Geld: 0

Tag 20, Fr
Seit 6 Uhr will ich weiter. Nach Grieß essen geht's die 40 km bis Ljubliana von unserem Zeltplatz im Wald.
Es geht nicht ganz so schön wie gestern Abend, aber meist bergab. An einer Tankstelle wasch ich nochmal
mein Hemd, um darin wenig später zu frieren während Sandro etwas Geld umtauscht. Das dauert wieder ...

Langsam geht unsere Reise zu Ende - wir sitzen im Zug nach Jesenice. Viele Länder haben wir durchreist, sehr viel gesehen. Von Jesenice nach Villach fährt der Zug (für 1900 Sl.WE) durch einen langen Tunnel. Die Fahrt nach Villach nach Salzburg war ich zu müde um die Berge und Täler anzusehen - die nächste Alpentour kommt bestimmt. Die Fahrt durch Österreich war zwar mit 22 € teuer, die Fahrradmitnahme ist dafür kein Problem. Anstatt von Salzburg direkt nach Freilassing zu fahren machen wir noch einen Umweg über Bad Reichenhall. Dort fällt uns ein, dass wir letztens doch auch direkt von Freilassing gefahren sind. Also zurück.
Und da es sich nicht mehr lohnt Zelt aufzubauen, legen wir unsere Schlafsäcke einfach auf den Bahnsteig. "Dort drüben schlafen zweie, hihi" Ab und zu hielt ein Zug, und Leute stiegen aus aber sonst war's eine gute Nacht ...
Tagesstrecke = 83 km
Durchschnitt = 20,3 km/h
Fahrzeit = 4h
Höchstgeschwindigkeit = 55,3 km/h

Gesamtstrecke = 2554 km
Geld:     Zugfahrt:    3400 Slowenische Währungseinheiten + 25€ durch Österreich
                                650 Sl. W. Nahrungsmittel

Tag 21, Sa
5 Uhr 10 - nochmal Strecken, dann Schlafsack zusammenrollen, denn 5:45 fährt der Zug.
Für lausige 13€+Fahrradkarte, fahren wir mit dem Wochenendticket durch ganz Deutschland zurück.
(ich liebe dieses Ticket)

Im Zug leihen wir uns eine Zeitung und lesen darin von dem Hochwasser in Dresden. Der Zug fährt auch nicht mehr bis nach Hause. So muss ich die letzten 40 km nochmal mein Rad bewegen. Um Geld zu holen, fuhr ich nach Dohna - doch die Sparkasse gab's nicht mehr. In Kroatien waren viele Häuser zerschossen und zerstört - da kommt man nach Hause und es sieht noch schlimmer aus ...
Wir selber waren nicht betroffen - höchstens duschen konnte man nicht (hatten ja nur 3 Wochen keine).
Und da wir vom Urlaub nun so erholt waren, war's kein Problem am Tag darauf nach Dohna zu radeln und mitzuschaufeln.

Zusammenfassung:
längste Tagesstrecke  = 164,4 km
Höchstgeschwindigkeit der Tour = 71,1 km/h
Gesamtstrecke = 2600 km





Das war's. Was sitzt Du noch in deinem Sessel rum - pack die Sachen zusammen und los.
Fast hätt ich's vergessen:
Kritik, Anregung, Lob, Mittleid und Spenden und bitte an:
sandro.stiller@gmx.de,
ringo.scheffler@gmx.de
oder noch besser: Mail an beide auf einmal schicken!


Nicht vornehmen, sondern machen !!!!!!!!!!

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